Zentrum für Morbide Adipositas

Das Leben nach der Operation

1.         Gewichtsverlust

Der Erfolg von jeder bariatrischen Operation wird  durch das Einhalten der Diät, Sportliche Aktivität und nicht zuletzt vom Besuch von Selbsthilfegruppen ab.
Die Operation selbst ist nur ein Hilfsmittel, nicht der einfache Weg zum Wunschgewicht.
Nicht enttäuscht sein, wenn andere schneller oder mehr abnehmen. Der Verlust des Übergewichts ist individuell sehr verschieden und hängt von verschiedenen Faktoren ab wie z.B.

  • Alter
  • Ausgangsgewicht
  • Gesundheitszustand vor OP
  • OP-Verfahren
  • Sportlicher Aktivität
  • Diät
  • Wahrnehmen der Sprechstundentermine (nur hier können Probleme frühzeitig erkannt und behoben werden)
  • Motivation des Patienten
  • Unterstützung durch Familie, Bekannte...

2.         Schwangerschaft

Wichtig für Frauen ist außerdem: bis ein stabiles Gewicht erreicht ist (ca. 18-24 Monate nach der Operation) muss unbedingt eine ausreichende Empfängnisverhütung durchgeführt werden! Auch wenn Sie in den letzten Jahren ohne Verhütung nicht schwanger wurden, kann das durch den Gewichtsverlust und die damit verbundene hormonelle Umstellung jetzt passieren. Die Antibabypille ist nach einem Bypass nicht mehr sicher wirksam, daher sollte z.B. mit einem Hormonfreisetzendem „Stäbchen", was unter die Haut gelegt wird und alle 3 Monate gewechselt wird.

Während der Phase der ausgeprägten Gewichtsreduktion ist eine Schwangerschaft jedoch absolut unerwünscht, da quasi das Kind die Hungerphase miterlebt und schlimmstenfalls nicht genügend Nährstoffe für Wachstum und Reifung erhält.

Wenn Sie trotzdem schwanger werden sollten, kontaktieren Sie bitte umgehend ihren Hausarzt oder bariatrischen Chirurgen! 

3.         Vitaminsubstitution

Bitte immer entsprechend den Anweisungen Ihres Arztes! generell gilt: 

Magenband

Sleeve

Bypass

  • Multivitaminpräparat
  • ansonsten abhängig von Beschwerden und Blutwerten
  • Multivitaminpräparat
  • Calcium
  • Vit. B12
  • Vitamin B
  • Folsäure
  • Eisen
  • ggf. Zink und Biotin bei Haarausfall


Die entsprechende Vitamine und Spurenelemente müssen lebenslänglich und täglich eingenommen werden! 

4.         Medikamente

Immer dem verschreibenden Arzt angeben, dass bei Ihnen ein Mageneingriff durchgeführt wurde. Es gibt Medikamente, die das Entstehen von einer Magenschleimhautentzündung oder sogar Magengeschwüren begünstigen können. Wenn Sie ein solches einnehmen, sollte immer eine andere Tablette zum Magenschutz mit eingenommen werden (z.B. Pantozol/ Nexium/ Omep). 

Frei verkäufliche Arzneien dieser Rubrik sind z.B.

  • ASS, Aspirin, Alka-Seltzer
  • Ibuprofen, Dolormin
  • Diclofenac
  • Mobec
  • ...

Bitte fragen Sie also immer Ihren Arzt, ob Sie neue Medikamente ohne Magenschutz nehmen können.

5.         Dumping Syndrom:

  • wichtig für Bypass Patienten
  • da der Magenpförtner aus der Nahrungspassage ausgeschaltet ist, gelangt va. zuckerreiche Nahrung zu schnell in den Dünndarm
  • dadurch wird zuviel Insulin ausgeschüttet
  • dies kann zu Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Durchfall, Kopfschmerzen und Bauchkrämpfen führen
  • d.h. es ist enorm wichtig auf zuckerhaltige Nahrung zu verzichten!!
  • Höchstens sehr kleine Mengen!!

6.         Lactoseintoleranz/Milchunverträglichkeit

Wenn Sie nach der Operation nach dem Verzehr von Milch oder Milchspeisen Völlegefühl, Blähungen oder Aufstoßen entwickeln, kann das an einer neu aufgetretenen Lactose (der Milchzucker)- intoleranz liegen. Entweder muss auf Sojaprodukte umgestellt werden oder Lactase als Kapsel zugeführt werden. Also bei Verdacht bitte Arzt kontaktieren.

7.         Übelkeit und Erbrechen

Übelkeit und Erbrechen sind (leider) nicht selten in der ersten Zeit nach bariatrischen Eingriffen. Häufig sind sie jedoch durch ein falsches Essverhalten ausgelöst:

  • Haben Sie zu schnell gegessen?
  • Haben Sie nicht ausreichend gekaut?
  • Haben Sie zuviel gegessen?
  • Haben Sie zum Essen getrunken?
  • Haben Sie sich nach dem Essen zu schnell hingelegt?

Können Sie all dies ausschließen und müssen trotzdem noch erbrechen, sollten Sie unbedingt Ihren Hausarzt oder bariatrischen Chirurgen aufsuchen, da Erbrechen auch ein Symptom für Komplikationen sein kann.

  8.         Notfallpass

Sie erhalten von uns nach der Operation einen Pass mit Namen, Anschrift und Telefonnummer unseres Zentrums. Auf diesem wird auch Ihre Operation auf deutsch und auf englisch eingetragen, so dass, wenn im In- und Ausland Probleme auftreten, die in Zusammenhang mit der Operation stehen könnten, ein Ansprechpartner zur Verfügung steht. Diesen Pass sollten Sie immer bei sich führen.

  9.         Selbsthilfe

Und zuletzt aber deswegen umso wichtiger:
Unsere Selbsthilfegruppe Adipositas trifft sich jeden 3. Freitag im Monat!! Die Leitung hat netterweise Frau Sielaff übernommen. (s. grüner Flyer) 

  • Sie können sich dort mit anderen Übergewichtigen über Ihre Probleme austauschen
  • Sie können von den Erfahrungen von bereits operierten Patienten lernen oder andersrum
  • Anderen Ihre persönlichen Erfahrungen nach einer OP mitteilen
  • Sie werden nach und nach informiert über die verschiedenen Operationsmethoden, Vor- und Nachteile
  • Über mögliche OP-Folgen
  • Über die Anatomie des Verdauungstrakts und Stoffwechselwege
  • Ernährungsberatung, ggf. Kochkurse
  • Ggf. können sich dort Sportgruppen finden, die dann unter Anleitung von unserer Physiotherapie z.B. Aquagymnastik machen
  • usw.

Das ganze findet im lockeren Rahmen statt, einer aus unserem Adipositasteam wird immer eine kurze Zeit dabei sein. Ansonsten ist es eben SELBSThilfe.

Die Krankenkassen fordern im übrigen die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe vor und nach einer Operation. Sie können die Teilnahme dafür bescheinigt kriegen. 

 

Jeder 3. Freitag im Monat, 19.00-21.00 Uhr, Treffen im Klinikum im 1. Untergeschoss direkt an der Rolltreppe, von dort aus den Pfeilen „Adipositas-SHG" folgen