Geschichte der Herz + Thoraxchirurgie Augsburg
Im Rahmen der Etablierung einer flächendeckenden Versorgung herzchirurgischer Patienten in Deutschland wurde die Herzchirurgie in Augsburg 1986 gegründet und über viele Jahre von Prof. Dr. Struck geleitet. Nachdem anfänglich ca. 800-1000 Patienten pro Jahr mit Hilfe der extrakorporalen Zirkulation operiert werden konnten, kam es nach der Übernahme der Klinik durch Prof. Dr. Dr.h.c. M. Beyer im Jahr 2001 zu einer erheblichen Steigerung dieser Eingriffe, so dass im Jahr 2004 erstmals 1400 Patienten mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine in Augsburg versorgt werden konnten. Im selben Jahr wurden die Herzchirurgische Klinik und die Abteilung für Thoraxchirurgie zur Klinik für Herz + Thoraxchirurgie vereinigt, so dass seither eine noch bessere interdisziplinäre Versorgung der Patienten mit kombinierten Herz- und Lungenerkrankungen erfolgen kann.
Historie der Herzchirurgie
Lange Zeit, eigentlich bis in das 20.
Jahrhundert hinein, spielte die Herzchirurgie praktisch keine Rolle in der
klinischen Medizin. Gründe hierfür waren auf der einen Seite natürlich die
schwierige technische Situation, am schlagenden, sich bewegenden Herzen
operieren zu müssen sowie die hohe Blutungsgefahr. Nicht zu vernachlässigen waren
aber auf der anderen Seite auch starke ethische Bedenken, die die Chirurgen der
damaligen Zeit hatten, sich überhaupt an das Herz heranzuwagen.
Theodor
Billroth äußerte 1882, die Eröffnung eines Herzbeutels sei „eine Operation, die
von größerem Interesse für den Anatomen als für den Arzt ist ... Ein Chirurg, der
versuchte, eine Wunde des Herzens zu nähen, verlöre die Achtung seiner
Kollegen." Diese Scheu vor der Herzchirurgie lag vor allem auch darin
begründet, dass man zur damaligen Zeit glaubte, dass schon eine winzige
Verletzung des Herzens, z.B. durch einen Nadelstich, zu einem reflektorischen
Herzstillstand führen würde, obwohl es dafür weder klinische noch
experimentelle Beweise gab.
1896
gelang in Frankfurt die erste wissenschaftlich dokumentierte
erfolgreiche Naht einer Herzwunde. Dabei handelte es sich um den Verschluss
einer 1,5 cm
langen Stichwunde der rechten Herzkammer bei einem 22-jährigen Mann. Zehn Jahre
nach diesem ersten Fall berichtete
Rehn über insgesamt 124 Fälle von Nähten bei
Herzverletzungen. Die Mortalität lag dabei allerdings bei ca. 60 Prozent. Ohne
den entsprechenden Eingriff aber wäre die Sterblichkeitsrate noch viel höher
gewesen, damaligen Beobachtungen zufolge sind ca. 90 % der Patienten, die nur
konservativ behandelt wurden, verstorben.
Auch in
den folgenden Jahren und Jahrzehnten wurden nur vereinzelte herzchirurgische
Eingriffe durchgeführt, so z.B. die erste erfolgreiche pulmonale Embolektomie
durch
Martin Kirschner 1924. 1931 gelang
Ferdinand Sauerbruch die erste erfolgreiche
Operation eines Herzwandaneurysmas und 1938 Emil Karl Frey der Verschluss eines
persistierenden Ductus Botalli. 1948 erfolgte die erste Resektion einer
Aortenisthmusstenose durch F.
Bernhard (Giessen). Einzig allein operative Eingriffe bei der Pericarditis
constrictiva erreichten bereits in den 20er und 30er Jahren eine gewisse
Perfektion. Hiermit verbunden sind die Namen Ludolf Brauer mit seiner Methode
der prakcordialen Perikardiolyse und Viktor Schmieden, der die Technik verfeinerte
durch die subtotale Perikardiektomie.
Der weitere Fortschritt der Herzchirurgie ist untrennbar mit der Entwicklung der Herzlungenmaschine verbunden und damit mit dem Namen Dr. John H. Gibbons. 23 Jahre lang beschäftigte er sich intensiv mit dem Gebiet der extrakorporalen Zirkulation, bis er die erste erfolgreiche Operation durchführen konnte. Diese erfolgte am 6. Mai 1953. Bereits ein Jahr vorher, im Februar 1952, hatte Gibbons einen ersten Versuch gewagt. Dabei handelte es sich um ein 15 Monate altes Mädchen, bei dem ein Vorhofseptumdefekt angenommen wurde. Intraoperativ zeigte sich allerdings, dass diese Diagnose falsch war und stattdessen ein Links-Rechts-Shunt durch einen großen persistierenden Ductus arteriosus vorlag. Das Mädchen verstarb. Die erste erfolgreich Operation gelang dann bei einer 18 jährigen Patientin mit Vorhofseptumdefekt. Dieser konnte erfolgreich verschlossen werden. Die Patientin befand sich dabei 26 Minuten an der Herzlungenmaschine.
In Deutschland kam es aufgrund der schwierigen politischen Situation nach dem 2. Weltkrieg zuerst zu einer Stagnation der Weiterentwicklung. Während die deutschen Chirurgen in vor dem Krieg in der Spitzengruppe lagen, musste in den beiden folgenden Jahrzehnten erstmal eine Art 'Aufholjagd' erfolgen. Erst in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts konnte eine flächendeckende herzchirurgische Versorgung der Bevölkerung sichergestellt werden.



