Klinik für Dermatologie

Chemotherapien für Melanompatienten mit inoperablen Metastasen

Aggressive Polychemotherapien, gekennzeichnet durch die Kombination mehrerer „Zellgifte", konnten in zahlreichen Studien keine besseren Überlebensraten bei o.g. Patienten erreichen als die wesentlich milderen, folgenden Therapien. Sie sind trotz statistisch nur mäßiger, im Einzelfall aber auch eindrücklicher Therapieerfolge deshalb zu empfehlen, weil sie die Lebensqualität meist nur gering beeinträchtigen.

Die in die Vene verabreichten Chemotherapien werden für meist zwei Zyklen zur Sicherheit des Patienten im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthaltes (1 Tag und 1 Nacht) an unserer Klinik für Dermatologie und Allergologie verabreicht, und danach ambulant fortgesetzt. Hierfür nutzen wir die Liegen, die uns auch in der Tagesklinik zur Verfügung stehen.

Die Wirksamkeit der jeweils aktuellen Chemotherapie wird meist im Dreimonatsrhythmus durch Wiederholung der Onko-PET- bzw. der bildgebenden Untersuchungen überprüft. Danach entscheidet sich die Beibehaltung oder der Wechsel des Therapieregimes.


Dacarbazin (DTIC)

Dacarbazin (DTIC) wurde früher meist an fünf aufeinander folgenden Tagen in einer Tagesdosis von 150 mg/qm KOF infundiert, das Ganze im vierwöchentlichen Rhythmus wiederholt. Die eintägige Infusionsbehandlung mit 850 mg/qm KOF alle 3-4 Wochen erbrachte jedoch etwa gleichwertige Remissionsraten von 5-20 %, davon leider nur zum kleinen Teil Vollremissionen.

Sowohl die Infusion als auch der Patient müssen am Behandlungstag sorgfältig vor UV-Licht geschützt werden, um die Entstehung unwirksamer toxischer Verbindungen zu vermeiden und stattdessen durch enzymatische N-Demethylierung im Organismus des Patienten die Bildung wirksamer Metabolite zu befördern.

Die früher problematischen Nebenwirkungen der Dacarbazintherapie, Übelkeit und Erbrechen, sind dank der mittlerweile verfügbaren, prä- und posttherapeutisch eingesetzten 5-HT3- und Neurokin-1-Rezeptor-Antagonisten erfolgreich vermeidbar. Leber- und anhaltende Knochenmarksschädigung kommen selten vor. Grippeähnliche Symptome, Bluteosinophilie und ein Anstieg bestimmter Leberwerte auf mehr als das 2,5-fache der Norm können auf das gefürchtete, wenn auch sehr seltene Budd-Chiari-Syndrom mit Verschluss der Lebervenen hinweisen.


Temozolomid

Temozolomid ist als oral verfügbares, allerdings für die Melanomtherapie nicht offiziell zugelassenes Alkylans eine Therapiealternative zu Dacarbazin. Temozolomid ist zudem im Gegensatz zu Dacarbazin liquorgängig, erreicht bei Melanommetastasen im Gehirn jedoch leider dennoch nur Ansprechraten von ca. 5 %, so dass stets zusätzlich neurochirurgische oder strahlentherapeutische Optionen geprüft werden müssen.27 Wirksamkeit und Nebenwirkungsspektrum sind denen von Dacarbazin sehr ähnlich, wobei wir die Gabe im 4-Wochen-Intervall an jeweils fünf aufeinanderfolgenden Tagen bevorzugen, im ersten Zyklus in der Tagesdosis von 150 mg/qm KOF, in den weiteren Zyklen bei guter Verträglichkeit gesteigert auf 200 mg/qm KOF.


Vindesin

Vindesin wird meist als Monochemotherapeutikum der zweiten Wahl (3 mg/qm KOF im Bolus i.v. alle 2 Wochen) eingesetzt und wirkt über die Zellteilungsblockade in der M-Phase durch Hemmung der mikrotubulären Formation der Teilungsspindel. Periphere Neuropathien stellen die häufigste Nebenwirkung dar, gefolgt von Nephrotoxizität, Myelosuppression und Haarausfall. Dagegen ist Vindesin nur gering emetogen und bedarf diesbezüglich meist keiner Begleitmedikation. Die Therapieerfolge liegen im vergleichbaren Bereich wie bei Dacarbazin.


Metronomische Therapie mit Trofosfamid, Etoricoxib und Pioglitazon

Als ebenfalls gut verträgliche orale Therapie hat sich in kontinuierlich täglicher Gabe o.g. Kombination erwiesen (oder auch ähnliche Kombinationen). Nicht die eigentlich zytostatische Wirksamkeit, sondern die Beeinträchtigung der Blutgefäßbildung im Tumor (sog. Anti-Angiogenese) gilt als ausschlaggebend für ähnliche Erfolge wie bei den vorgenannten Therapeutika bei ebenso guter Verträglichkeit. Höhergradige Toxizitäten wurden nur selten beobachtet. Kontrollierte Vergleichsstudien stehen allerdings noch aus.