Mamma-Karzinom
Jede 8. Frau in den USA und jede 10. Frau in Deutschland erkranken im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Auf 183 000 Neuerkrankungen kamen im Jahre 1994 46.000 Todesfälle. Somit stellt das Mammakarzinom nach dem Bronchialkarzinom die zweithäufigste Tumorerkrankung der Frau in Europa und Nordamerika dar.
In den letzten Jahren sind eine Vielzahl an Risikofaktoren ermittelt worden, die die individuelle Wahrscheinlichkeit, irgendwann im Verlaufe des Lebens an Brustkrebs zu erkranken, mehr oder minder stark erhöhen.
Risikofaktoren:
1. BRCA-Mutantenträgerinnen
2. Z.n. Brustkrebs
3. familiäre Belastung
4. atypische duktale/lobuläre Hyperplasie
5. Bösartiger Tumor in Anamnese
6. Übergewicht
7. Nullipara, späte Erstgebährende (> 35 Jahre)
8. frühe erste Regelblutung (< 12 Jahre), späte Wechseljahre (>52 Jahre)
9. Alter > 50 Jahre
Vorsorge
Eine unserer wirkungsvollsten Waffen im Kampf gegen das Mammakarzinom stellt die Tumorvorsorge dar. Alle Frauen sollten dazu angehalten werden, durch regelmäßige Selbstuntersuchungen frühzeitig eventuelle Veränderungen in den Brüsten bzw. deren Lymphabflusswegen zu entdecken.
Die Vorsorgeuntersuchung beinhaltet alters- und risikogestaffelt die Röntgenuntersuchung und Sonographie der Brust.
Vorsorgeuntersuchungsprogramm
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Selbstuntersuchung |
jährliche ärztliche Untersuchung |
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in der 1. Zyklushälfte bzw. 2. Zykluswoche |
klinische Untersuchung der Brust ink. alleraxilläre, infra- und supraclaviculäre Lymphknoten |
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Mammographie |
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| Sonographie | Mammographie |
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Klassische Prognosefaktoren |
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| TNM-Stadium |
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| Morphologie |
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| Steroidhormonrezeptoren |
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| Lebensalter |
Operative Therapie
1. Brusterhaltende Therapie
Durch eine Vielzahl prospektiv randomisierter Studien mit langer Laufzeit ist belegt, daß bei strenger Indikationsstellung diese Form der Brustkrebs-Behandlung bezüglich der Metastasenrate sowie dem Gesamtüberleben gegenüber der Mastektomie völlig gleichwertig ist.
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Indikation zu Brusterhalt:
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Vorausetzung für einen Brusterhalt sind klar abgrenzbare, nicht zu große, vollständig exzidierbare Tumore. Die intraduktale Tumorkomponente sollte unter 20-25% liegen.
Bei kleiner Brust und größerem Tumor könnte sich ebenso wie bei ungünstiger Tumorlokalisation (medialer/kranialer Quadrant) der kosmetische Gewinn durch einen Brusterhalt durchaus relativieren.
Bezüglich Kontraindikationen siehe abgebildete tabellarische Darstellung:
| absolute Kontraindikation | relative Kontraindikation |
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Die dennoch in situ verbleibenden mikroskopischen Tumoranteile erfordern bei jeglichem Brusterhalt eine postoperative Bestrahlung der Restbrust.
Operationstechnik
Der Primärtumor wird mit einem Sicherheitsabstand an gesundem Gewebe entfernt und die regionären Lymphknoten über eine separate Schnittführung in der Axilla entnommen.
Sicherheitsabstand bei Tumoren < 2 cm
1. Mastektomie/Ablatio
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Schnittführung bei modifizierter, radikaler Msatektomie
Nach Ausschluß von Fernmetastasen wird eine Hautspindel über dem Tumor (unter Mitnahme der Brustwarze) längs ovalär umschnitten. Von hieraus wird der Brustdrüsenkörper bis zur Clavicula,dem Sternum und der Submammarfalte subcutan ausgelöst und unter Mitnahme der Pectoralis-major-Faszie von der Thoraxwand abgesetzt. Den betroffenene Patientinnen kann im Rahmen der späteren Rehabilitation eine ein- bzw. zweizeitige Brustrekonstruktion angeboten werden.
2. Wächterlymphknoten/Sentinel-Lympnknoten
Man weiß, dass sich bösartige Brusttumoren vor allen Dingen zuerst in die Lymphknoten ausbreiten. Aus diesem Grunde mussten bisher immer bestimmte Lymphknotenstationen der betreffenden Achselhöhle entfernt werden.
Infolge der Operation besteht in 3 % der Fälle die Gefahr unter einem ständig geschwollenen Arm (Lymphödem) zu leiden. Ferner entstehen häufig Gefühlsstörungen im Bereich der Achselhöhle und im Bereich der Innenseite des betreffenden Armes, da feinste Hautnerven während der Operation nicht erkannt und demzufolge zum Teil zerstört werden können.
Der Befall der Lymphknoten der betreffenden Achselhöhle durch Krebszellen erfolgt aber nicht diffus, sondern er folgt Lymphbahnen und erreicht die Lymphknoten nicht gleichzeitig, sondern nacheinander. Der oder die zuerst erreichten Lymphknoten werden als sog. Wächterlymphknoten oder Sentinel Lymphknoten bezeichnet.
präoperative Markierung
Durch das Umspritzen des Tumors mit einem radioaktiv markierten Medikament können über ein sog. Lymphabflussszintigramm in der Nuklearmedizinischen Klinik des Zentralklinikums der oder evtl. die zuerst erreichten Lymphknoten (= Wächterlymphknoten) identifiziert werden. Diese Lymphknoten können dann in der Operation gezielt entfernt und vom Pathologischen Institut des Hauses genau untersucht werden.
Aus eigener Erfahrung im Zentralklinikum Augsburg ist bekannt, dass bei 97 % der Patienten die Lymphknoten der Achselhöhle nicht tumorbefallen sind, wenn der sog. Sentinel Lymphknoten tumorfrei ist. Es besteht daher also ein Risiko von ca. 3 % einen tumorbefallenen Lymphknoten zu belassen. Auf der anderen Seite ist bekannt, dass bei der herkömmlichen Operation der Lymphknoten in der Achselhöhle eine Irrtumswahrscheinlichkeit von ca. 3 % besteht, einen befallenen Lymphknoten zu belassen. Von diesem kann dann unter Umständen ein erneutes Tumorwachstum in der Achselhöhle ausgehen, also ein sog. Rezidiv.
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Lymphszintigramm Lokalisation mit Gamma-Sonde
Ferner ist durch eigene Erfahrung gesichert, dass über 40 % der über die Lymphabflussszintigraphie entdeckten befallenen Lymphknoten lediglich sog. Mikrometastasen aufweisen, die im Rahmen der herkömmlichen Untersuchungstechnik in aller Regel nicht entdeckt werden würden.
Daher besteht die Möglichkeit, nach Entfernung des bösartigen Brusttumors und Entfernung des oder der Sentinel Lymphknoten(s) auf eine Entfernung der übrigen axillären Lymphknoten zu verzichten, falls der Wächterlymphknoten nicht tumorbefallen ist.
Das operative Vorgehen wird auf diese Weise wesentlich schonender bei nach heutigem Wissensstand gleicher Sicherheit. Abgeschlossene prospektive, randomisierte Studien liegen zur Zeit noch nicht vor.
Die möglichen Komplikationen entsprechen denen einer Lymphknotenentfernung aus der Axilla.
Sollte sich ein Tumorbefall des Wächterlymphknotens im endgültigen Gewebsbefund, der nach ca. 1 Woche Bearbeitungszeit vorliegt, herausstellen, so müssen die restlichen Lymphknoten der Achselhöhle in einer 2. Operation entsprechend der bisher üblichen Methode entfernt werden.







