Speicheldrüsen
Neben den drei großen, jeweils paarig angeordneten Kopfspeicheldrüsen (Ohrspeicheldrüse, Unterkieferspeicheldrüse und Unterzungendrüse) besitzt jeder Mensch noch an die tausend weitere, sogenannte kleine Speicheldrüsen, die sich vorwiegend in der Mundhöhlen- und Lippenschleimhaut befinden. Häufigste Erkrankungen, die wiederum hauptsächlich die großen Speicheldrüsen betreffen, sind Entzündungen, Steinleiden und Tumoren.
Akute Speicheldrüsenenzündungen führen typischerweise zu schmerzhaften Schwellungen der Drüse und werden durch Bakterien oder seltener Viren (Mumps) verursacht. Hier führen in der Regel die Gabe von Antibiotika oder entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten zur Ausheilung. Nur in seltenen Fällen wie einer Abszeßbildung oder einer chronischen, immer wiederkehrenden Entzündung ist ein operatives Vorgehen bis hin zur Entfernung der Drüse angezeigt. Häufig entstehen auch Entzündungen auf dem Boden eines Speichelsteinleidens. In diesem Fall ist neben der medikamentösen Behandlung eine operative Schlitzung des Speichelganges mit Entfernung des Steines notwendig, die meistens in örtlicher Betäubung durchgeführt werden kann.
Speicheldrüsentumoren betreffen in größter Anzahl die Ohrspeicheldrüse, seltener die Unterkiefer- oder Unterzungendrüse. Etwa 70% der Tumoren sind gutartig. Führendes Krankheitszeichen ist die langsam auftretende, schmerzlose Schwellung der Drüse, die häufig nur zufällig bemerkt wird. In allen Fällen eines Tumorleidens der Speicheldrüsen ist eine Operation angezeigt, die aufgrund des Verlaufes des Gesichtsnerven durch die Ohrspeicheldrüse oder der Nähe eines Nervenastes zur Unterkieferspeicheldrüse immer in die Hand einer erfahrenden Fachklinik gehört.
An der Augsburger HNO-Klinik wurden als Zentrum für Operationen der Kopfspeicheldrüsen in den 6 Jahren zwischen 1996 und 2002 insgesamt 294 Patienten aufgrund eines Tumors der Ohrspeicheldrüse operiert, der sich bei 50 Patienten als bösartig erwies. In allen 294 Fällen konnte eine vollständige Entfernung des Tumors erreicht werden. Das Risiko einer dauerhaften Schädigung des Gesichtsnerven war bei gutartigen Tumoren unter 1%. Bei bösartigen Tumoren ist naturgemäß eine Schonung des Gesichtsnerven nicht immer möglich, so daß bei 6 Fällen eines bösartigen Tumors ein Teil des Nerven entfernt und eine mikrochirurgische Rekonstruktion unter dem Mikroskop erfolgen mußte. In allen Fällen war aber das funktionelle Resultat für den Patienten sehr befriedigend.
Operationen an der Unterkieferspeicheldrüse wurden im selben Zeitraum von 6 Jahren an etwa 275 Patienten vorgenommen, eine Schlitzung des Speichelganges erfolgte bei etwa 80 Patienten.



