Zuckerresorption inclusive Testung auf bakterielle Überwucherung (H2-Atemtests und C13-Laktose-Atemtest)
H2-Atemteste (Wasserstoffexhalationsteste):
Prinzip: Bestimmung der Unverträglichkeit (fehlende Aufnahme in den Körper) bestimmter Zucker, Nachweis einer bakteriellen Fehlbesiedelung des Dünndarmes und Screening auf Malabsorption
Indikationen
- Durchfälle und Blähungen (Meteorismus)
- V.a. globale Malabsorption (z.B. Sprue)
Verfügbare Testsubstanzen:
- Laktose
- Fruktose
- Sorbit
- Xylose (Malabsorption)
- Glukose (bakterielle Überwucherung des Dünndarmes)
Vorbereitung
- Ausschluss einer organischen Erkrankung des Magen-Darmtraktes (Ösophagogastroduodenoskopie (mit Gewebeentnahme im Duodenum), Dünndarmröntgen und Koloskopie (mit Gewebeentnahme)
- Zwölfstündige Nüchternperiode vor der Untersuchung
- kein Nikotinkonsum 6 Std. vor der Untersuchung
- keine Antibiotikaeinnahme in den letzten 2 Wochen
- keine Dickdarmreinigung (Einläufe oder Reinigungslösungen vor Untersuchungen) in den letzten 2 Wochen
Methodik
Kolonbakterien verstoffwechseln nicht resorbierte Zucker zu Wasserstoff (H2). Der produzierte Wasserstoff kann in der Ausatemluft leicht nachgewiesen werden. Bei Verdacht auf Zuckerunverträglichkeit werden definierte Mengen bestimmter Zucker verabreicht. Routinemäßig werden getestet:Laktose (Disaccharid Galaktose-Glukose) und Fruktose (Ketohexose) (Testdosis jeweils 50 g). Bei Bedarf können auch weitere Zucker wie z.B. Sorbit getestet werden.Bei V.a. Malabsorption (z.B. bei Sprue) wird als Testsubstanz die Aldopentose Xylose verabreicht. Erscheint nach Gabe von Xylose (Testdosis 10 g) Wasserstoff in der Ausatemluft , ist dies ein starker Hinweis auf eine globale Malabsorption. Dieser Test hat nach der Verfügbarkeit spezifischer Antikörper (gegen Endomysium und Gliadin) als Screening-Test an Bedeutung verloren. Bei ‘Non-Producern’ (s.u.) für H2 wird die klassische Xylose-Belastung durchgeführt. Dabei werden 25g Xylose per os verabreicht und anschließend für 5 Std. der Urin gesammelt. Ist nach Gabe von Glukose (Testdosis 80 g) Wasserstoff in der Ausatemluft nachweisbar, so spricht dies für bakterielle Fehlbesiedelung des Dünndarmes. Normalerweise wird Glukose im Dünndarm komplett resorbiert und gelangt nicht in Kontakt mit den Kolonbakterien. Anzumerken ist, dass die Sensitivität dieses Tests leider nur bei ca. 60% liegt. Bei allen H2-Atemtests muss bedacht werden, dass bis zu 15% der Bevölkerung sog. ‘Non-Producer’ sind, das heißt, dass ihre Kolonbakterien nicht ausreichend H2 produzieren können.
13C-Atmeteste:
Prinzip: Nachweis einer gestörten Spaltung (und damit) Resorption von Laktose
Indikationen
Blähungen, Durchfälle (v.a. nach Genuss von Milchprodukten), H2-Atemtest für Laktose negativ oder nicht eindeutig interpretierbar
Vorbereitung
Ausschluss einer organischen Erkrankung des Dünn- und Dickdarmes, Durchführung eines H2-Atemtestes für Laktose, der noch Zweifel offen lässt Zwölfstündige Nüchternperiode vor der Untersuchung
Methodik
Die verabreichte Laktose wird mit dem (nicht-radioaktiven) Isotop 13 des Kohlenstoffes (13C) markiert. Nach Spaltung und Resorption wird der Zucker zu 13C02 abgebaut und abgeatmet. Das entstandene 13C02 kann mit Hilfe eines Infrarotspektrometers leicht in der Ausatemluft nachgewiesen werden. Bei Fehlen des zuckerspaltenden Enzyms Laktase in der Dünndarm- schleimhaut bleibt dieser Anstieg aus. Der Vorteil dieses Tests gegenüber dem H2-Atemtest ist, dass er auf die Anwesenheit von Kolonbakterien nicht angewiesen ist. Nachteilig sind die deutlich höheren Materialkosten. Deshalb steht an erster Stelle in der Diagnostik bei vermuteter Laktoseintoleranz der H2-Atemtest.



