Kliniken für Kinder und Jugendliche

Nachrichten aus den Kliniken für Kinder und Jugendliche


02.02.2010

Porträt: Ruth Oberländer geht als Freiwillige zu "Mercy Ships" nach Westafrika

Einsatz im schwimmenden Krankenhaus

Sie war noch ein junges Mädchen, da ist in ihr ein Wunsch herangereift, der jetzt in Erfüllung geht: In diesen Tagen hat Ruth Oberländer (24) ihre Sachen gepackt und ihre Wohnung aufgegeben, um sich für sechs Monate auf das Krankenhausschiff „Africa Mercy“ zu begeben, das vor dem westafrikanischen Land Togo vor Anker gehen wird. Ruth Oberländer wird dort in ihrem Beruf als Kinderkrankenschwester arbeiten – freiwillig und wie alle Crew-Mitglieder auf dem Schiff unentgeltlich. Mehr noch: Für die Anreise und für ihre Verpflegung wird sie selbst aufkommen.

 

Die einen sparen für Urlaubsreisen, Ruth Oberländer hat für diesen Einsatz Geld zurückgelegt. Was bewegt die junge Frau, sich so zielstrebig auf diesen ehrenamtlichen Dienst auf einem Krankenhausschiff einzulassen? Entzündet wurde dieser Wunsch bei ihr vor über zehn Jahren, als sie einen Vortrag von einer Krankenschwester hörte, die von einem solchen Einsatz erzählte. Einmal hatte sie sogar Gelegenheit, ein solches Schiff zu besichtigen. Über die Rundbriefe, die sie regelmäßig von der Hilfsorganisation „Mercy Ships“ bezog, die seit über 30 Jahren solche Krankenhausschiffe in Entwicklungsländer schickt, hielt sie sich auf dem Laufenden. Oberländer machte ihre Ausbildung als Kinderkrankenschwester und sammelte einige Jahre Berufserfahrung – zuletzt auf der Kinderkrebs- Station am Augsburger Klinikum. Sie bewarb sich bei „Mercy Ships“ und wurde genommen.

 

Der jungen Frau ist durchaus bewusst, was auf sie zukommen wird: Das Schiff „Africa Mercy“ wird im Februar im Hafen von Lomé, der Hauptstadt Togos, anlegen und dort neun Monate bleiben. Einwohner, die sich sonst keine medizinische Hilfe leisten könnten, können auf dem Schiff kostenlos operiert oder behandelt werden. In diesem Land, wo auf 26 000 Einwohner nicht mal ein Arzt kommt, werden es sehr viele sein. In einem Fußballstadion, weiß Ruth Oberländer, „werden alle mal angeschaut und für die chirurgischen Eingriffe ausgewählt“.

 

 

Krankheiten, die es in Deutschland kaum gibt

Oberländer wird auf Station arbeiten, bei Kindern, die dorthin nach der Operation verlegt werden. Sie wird andere Krankheiten sehen, oft schon viel weiter fortgeschritten, als es in Deutschland der Fall wäre. Chirurgische Hilfe wird nötig werden bei Entstellungen, etwa durch Tumore, Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, Lepra oder Noma (Wangenbrand). Behandelt werden auch grauer Star oder Wucherungen, die zu Blindheit führen; ebenso Verletzungen oder Zahnprobleme. „Es wird eine Herausforderung werden“, sagt Ruth Oberländer, „aber ich fühle mich dem schon gewachsen.“

 

Als Europäerin, die andere Standards gewohnt ist, wird sie auf dem Schiff auch ein einfacheres Leben führen. Nicht mehr als 20 Kilo Gepäck kann sie mitnehmen, wohnen wird sie in einer kleinen Kajüte. Diesen Verzicht aber tauscht sie gerne ein gegen die Freundlichkeit und Dankbarkeit der Menschen, denen sie zur Seite stehen wird. „So was verändert die Sicht“, meint sie. Im August wird Ruth Oberländer wieder nach Augsburg zurückkehren.

 

Hier gelangen Sie zum Artikel der Augsburger Allgemeinen vom 23.01.2010

 


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